Tutorials

Akkordfolgen nach Gehör erkennen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

4 Min. Lesezeit

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie ein Musiker ein Lied zum ersten Mal hört und es sofort auf dem Klavier oder der Gitarre nachspielt? Es sieht aus wie ein Zaubertrick, ist aber tatsächlich eine erlernbare, strukturierte Fähigkeit, die man als Erkennen von Akkordfolgen nach Gehör bezeichnet.

Indem Sie Ihr Gehör darauf trainieren, die Beziehungen der Akkorde untereinander zu erkennen, können Sie die Fähigkeit freischalten, nach Gehör zu spielen, Songs schneller zu schreiben und Musik auf einer tieferen Ebene zu verstehen.

In dieser Anleitung erklären wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Gehör trainieren und noch heute damit beginnen können, Akkordfolgen zu erkennen.


1. Verstehen Sie das Konzept der relativen Tonhöhe

Bevor Sie mit dem Hören beginnen, müssen Sie verstehen, dass Sie kein absolutes Gehör benötigen, um Akkordfolgen zu erkennen. Stattdessen benötigen Sie das relative Gehör — die Fähigkeit, die Beziehung zwischen Noten und Akkorden im Verhältnis zu einem tonalen Zentrum (der Grundtonart) zu bestimmen.

In der Musiktheorie verwenden wir römische Ziffern, um diese Beziehungen zu beschreiben:

  • I (Eins): Der Grundakkord (Tonika). In der Tonart C-Dur ist das C.
  • IV (Vier): Die Subdominante. In C-Dur ist das F.
  • V (Fünf): Die Dominante. In C-Dur ist das G.
  • vi (Sechs): Der Moll-Akkord auf der sechsten Stufe. In C-Dur ist das a-Moll.

Akkorde in der Tonart C-Dur

I
C-Dur
Tonika
ii
d-Moll
Supertonika
iii
e-Moll
Mediante
IV
F-Dur
Subdominante
V
G-Dur
Dominante
vi
a-Moll
Submediante
vii°
H verm.
Leitton

Die meisten populären Lieder basieren auf einfachen Kombinationen dieser vier Akkorde. Wenn Sie den Unterschied zwischen den Akkorden I, IV, V und vi hören können, können Sie bereits Tausende von Liedern nach Gehör spielen!


2. Schritt-für-Schritt-Methode zum Hören

Wenn ein Lied läuft, folgen Sie diesem 4-Schritte-Schema, um die Akkordfolge zu analysieren:

Schritt A: Finden Sie die Tonika (den Grundton)

Die Tonika ist der Ton der Auflösung. Es ist die Note, die sich wie der endgültige Ruhepunkt des Liedes anfühlt.

  • Achten Sie auf: Den Ton, mit dem das Lied scheinbar enden will.
  • Summen Sie ihn: Summen dieser Ton und behalten Sie ihn im Kopf. Dies ist Ihre erste Stufe (Do).

Schritt B: Folgen Sie der Basslinie

Die Basslinie ist Ihre Geheimwaffe. In 90 % der populären Musik spielt der Bass den Grundton des Akkords auf dem schweren Taktteil (dem ersten Schlag des Taktes).

Bassline-Visualisierung auf Klaviertasten
Visualisierung der Bassfrequenzen auf einer Tastatur während der Gehörbildung.
  • Konzentrieren Sie sich auf: Die tiefsten Frequenzen im Titel.
  • Verfolgen Sie die Bewegung: Hören Sie, wie sich der Bass im Verhältnis zu Ihrem Grundton bewegt. Geht er nach oben? Nach unten? Schrittweise oder in einem großen Sprung?
  • Tipp: Wenn Sie hören, dass der Bass vom Grundton aus eine Quinte nach oben oder eine Quarte nach unten springt, hat er sich wahrscheinlich zum V-Akkord bewegt.

Schritt C: Bestimmen Sie das Tongeschlecht (Dur vs. Moll)

Sobald Sie die Grundtöne kennen, bestimmen Sie den emotionalen Charakter des jeweiligen Akkords:

  • Dur-Akkorde (I, IV, V): Klingen hell, fröhlich, stabil oder triumphal.
  • Moll-Akkorde (ii, iii, vi): Klingen dunkel, traurig, geheimnisvoll oder angespannt.

Schritt D: Achten Sie auf tonale Spannung und Auflösung

Akkorde erzählen eine Geschichte. Einige Akkorde bauen Spannung auf, andere lösen sie auf:

  • V (Dominante): Hohe Spannung. Sie will sich unbedingt zum I-Akkord auflösen.
  • IV (Subdominante): Mäßige Spannung. Sie leitet oft sanft zum V-Akkord über oder fließt zurück zur I.
  • vi (Moll-Sechs): Wirkt wie ein emotionaler Umweg und führt oft zu IV oder ii.

3. Die 3 häufigsten Akkordfolgen zum Einprägen

Trainieren Sie zu Beginn Ihr Gehör darauf, diese drei dominierenden Akkordfolgen zu erkennen:

Der Pop-Akkordfolgen-Fluss

I
Tonika
V
Dominante
vi
Moll-Sechs
IV
Subdominante

1. Die klassische Pop-Akkordfolge (I – V – vi – IV)

The Beatles
The Beatles (Let It Be)
Bruno Mars
Bruno Mars (Grenade)
  • Beispiele: Let It Be (The Beatles), With or Without You (U2), Don't Stop Believin' (Journey).
  • Worauf zu achten ist: Der helle Grundakkord (I) geht über in die helle, gespannte Dominante (V), fällt ab zum traurigen Moll (vi) und löst sich über die offene Subdominante (IV) wieder zum Grundton hin auf.

2. Der emotionale Loop (vi – IV – I – V)

  • Beispiele: Grenade (Bruno Mars), Faded (Alan Walker).
  • Worauf zu achten ist: Beginnend mit einer traurigen, dunklen Energie (vi), Aufstieg zum Dur-Akkord (IV), Durchqueren des Grundakkords (I) und Abschluss mit der gespannten Dominante (V).

3. Der Jazz-Turnaround (ii – V – I)

  • Worauf zu achten ist: Eine Moll-Spannung (ii) löst sich zur dominanten Spannung (V) auf, die dann zur Tonika (I) zurückschnellt. Dies ist das Fundament von Jazz und R&B.

4. Wie Sie effektiv üben

Wie jeder Muskel erfordert auch die Gehörbildung konsequentes, fokussiertes Training. Hier sind die besten Methoden zum Üben:

Heimstudio-Musikübung
Regelmäßiges tägliches Üben in einer gemütlichen, fokussierten Heimumgebung.
  1. Isolieren & Testen: Nutzen Sie spezielle Gehörbildungs-Tools. Anstatt bei kompletten Songs blind zu raten, üben Sie das Erkennen von Intervallen und einfachen Akkordbeziehungen.
  2. Aktiv zuhören: Wenn Sie Radio hören, versuchen Sie, die Basslinie mitzusummen und zu erraten, wann der Akkord wechselt.
  3. Nutzen Sie die Gehörbildungs-Suite von Mazmazika: Mazmazika bietet interaktives, spielerisches Training des relativen Gehörs. Verbringen Sie täglich 5–10 Minuten mit unseren Absolut- und Relativgehör-Spielen, um Ihre harmonische Intuition aufzubauen.
← Zurück zum Journal